Auf dem Weg der Versöhnung: Brünn gedenkt der Vertrieben

Im Andenken an die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Brünn nach dem Zweiten Weltkrieg findet am Samstag, dem 20. Mai, bereits zum elften Mal der Versöhnungsmarsch statt. Als symbolische Geste der Versöhnung wird der Weg in umgekehrter Richtung des historischen Todesmarsches, also nach Brünn gegangen. Begleitend wird ein Workshop für tschechische und deutschsprachige Schüler veranstaltet. 

Die feierliche Eröffnung des Versöhnungsmarsches findet am Samstag, dem 20. Mai 2017, um 9:30 Uhr beim Gedenkkreuz am Massengrab der Opfer des Pohrlitzer Sammellagers statt. Von hier aus beginnt für die Teilnehmer der knapp 32 Kilometer lange Weg über Ledce, Rajhrad und Modřice nach Brünn und dort zum Mendlovo náměstí (Mendelsplatz). Die Wegstrecke entspricht jener des historischen „Todesmarsches“, als symbolische Geste der Versöhnung wird sie jedoch in umgekehrter Richtung gegangen. Ein eigens eingerichteter Autobus-Pendelverkehr ermöglicht den Teilnehmern, den langen Fußmarsch zu unterbrechen, früher zu beenden oder auch erst später dazuzustoßen.

Gegen 18:00 Uhr treffen die Teilnehmer des Versöhnungsmarsches im Garten der Augustinerabtei ein. Die Abschlussveranstaltung wird, wie schon in den Jahren zuvor, der Brünner Oberbürgermeister Petr Vokřál eröffnen, weitere Redner auf dem Podium sind Richard Arnold, Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, wo sich eine bedeutende Zahl an vertriebenen Brünnern niedergelassen hat, und Daniela Hammer-Tugendhat, Tochter der Erbauer der Villa Tugendhat. Es werden auch Vertreter der Vertriebenenverbände sowie Zeitzeugen teilnehmen. Nach dem Anzünden der Kerzen für die Opfer der Nachkriegsgewalttaten, begleitet vom Chor des Ferdinand-Porsche-Gymnasiums Stuttgart, folgt ein Konzert des Musikers Roman Dragoun und der Band Ňuňu.

Wie schon im Vorjahr findet auch heuer wieder ein begleitender, viertägiger Workshop für Schülerinnen und Schüler von Mittelschulen und Gymnasien in Tschechien, Deutschland und Österreich statt. Ziel ist die Auseinandersetzung mit dem Versöhnungsmarsch in Hinblick auf seinen historischen Kontext und die Erstellung einer zweisprachigen Zeitschrift (Link zur Zeitschrift von 2016). Workshopleiterin ist Bára Procházková, ehemals Redakteurin der Wochenzeitschrift Respekt und heute Leiterin des Webportals des tschechischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens ČT24. Aus dem Ausland kommen bereits zum zweiten Mal Schülerinnen und Schüler aus dem deutschen Schwäbisch Gmünd, weiters Schüler aus zwei Gymnasien der Brünner Partnerstadt Stuttgart und eine Klasse aus dem Gymnasium im niederösterreichischen Horn. Insgesamt nehmen heuer am Workshop fast als 120 Jugendliche teil.